Vita

Stefan Schäfer ist Solobassist der Philharmoniker Hamburg. Als Komponist hat er inzwischen mehr als fünfzig Kompositionen für sein Instrument vorgelegt, die auf der ganzen Welt zur Aufführung gelangen. So wurden seine Kompositionen in berühmten Konzertsälen – wie der Carnegie Hall in New York, dem Wiener Konzerthaus oder der Berliner Philharmonie – aufgeführt.

Seine Werke werden auch bei verschiedenen Instrumentalwettbewerben gespielt. So hat Schäfer als Auftragskomposition das Pflichtstück für den III. Internationalen Johann-Matthias-Sperger-Wettbewerb geschrieben. In England (British and International Bass Forum) und den USA (International Society of Bassists) wurden seine Werke mit Kompositionspreisen ausgezeichnet. Von 2010–12 war er Composer-in-Residence der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Kontrabass Baden-Württemberg, um neue Literatur für den Kontrabassunterricht, aber auch für Workshops und Wettbewerbe auf den Weg zu bringen.

Schäfer komponierte auch Lieder und Kammermusik. Im Auftrag der Philharmoniker Hamburg schrieb er das Stück „Kaispeicher A“ für großes Orchester. Als Theatermusiker arbeitete er u.a. für das Thalia Theater Hamburg oder schrieb Hörspielmusiken. Resultat dieser Arbeit ist eine gewisse Affinität zu „Bildern“, die ihn beim Komponieren leiten – allerdings nicht im Sinne von Illustrationen, sondern eher als Assoziationen, die am Beginn einer Komposition und stehen und sich dann verselbständigen.

Anlässlich seines 50. Geburtstages im Jahr 2013 veranstalteten die Hamburgische Staatsoper, die Philharmoniker Hamburg, das Hamburger Konservatorium und der Verein kammermusik heute e.V. Portraitkonzerte mit Werken von Stefan Schäfer.

Höhepunkte der Saison 2013/14 sind u.a. die Uraufführung des neuen Liederzyklus „Mondgesänge“ für Sopran und Streicher in der Laeiszhalle Hamburg, die Aufführung seines Streichquintetts „Soltane“ in der Tonhalle Zürich oder die erstmalige Aufführung des gesamten Zyklus „Histoires“ für Kontrabass und Klavier in Shanghai.

Intro

In der Musikgeschichte gab es immer Instrumentalisten, die für ihr eigenes Instrument komponiert haben. Und natürlich haben sie für den eigenen praktischen Gebrauch Musik geschrieben.
In gewisser Weise zähle ich mich zu den Kontrabassisten der heutigen Zeit, die diese Tradition fortsetzen. Sich auf seinem Instrument unmittelbar auszudrücken, d.h. zu improvisieren oder zu komponieren, ist für jeden Jazzmusiker völlig normal. Zu meinem Selbstverständnis als Musiker gehört Spielen und Komponieren.

My Way

Erste Kompositionsversuche unternahm ich als Schüler. Eine meiner ersten Kompositionen wurde bei Jugend jazzt aufgeführt. Mit Beginn des Musikstudiums 1982 traten zunächst verschiedene Bearbeitungs- und Arrangiertätigkeiten in den Vordergrund, später hatte ich Gelegenheit, erstmals für Theater und Hörspiel zu komponieren. Eine regelmäßigere und intensivere Beschäftigung mit eigenen Kompositionen ergab sich aber erst ab 1992. Zunächst schrieb ich für mein Instrument Kontrabass und Kammermusik, später kamen andere Bereiche dazu.

Vor allem meine Werke für Kontrabass werden inzwischen weltweit aufgeführt. Viele dieser Kompositionen sind mittlerweile in Deutschland und England verlegt. Zahlreiche Kompositionsaufträge (z.B. von den Philharmonikern Hamburg und der Internationalen Johann-Matthias-Sperger-Gesellschaft) habe ich ebenso erhalten, wie Kompositionspreise in England (British and International Bass Forum) und den Vereinigten Staaten (International Society of Bassists).

Einige meiner Kompositionen sind inzwischen auf CD eingespielt worden: Schäfers Lust für großes Jazzensemble, Owl für Klavierquintett und Voyage für Kontrabassensemble.

Im Jahre 2004 habe ich erstmals als Auftragswerk der Philharmoniker Hamburg ein Werk für großes Orchester geschrieben: Kaispeicher A.

Between

Bei den klassischen Musikern galt ich oftmals als der „Jazzer“. Im „U-Bereich“ galt ich als der „Klassiker“. Viele Jahre wusste ich tatsächlich nicht, in welche Schublade ich mich selber stecken sollte. Allerdings war diese Fragestellung eigentlich auch nicht wirklich wichtig. Inzwischen habe ich jedenfalls die Rolle angenommen, irgendwo „between“ angesiedelt zu sein. Es muss ja nicht jede Schublade einen Namen haben.

Ein Kompositionsstudium habe ich nicht absolviert. Vor meinem Instrumentalstudium habe ich aber Schulmusik studiert, eine Art „Studium Generale“ der Musik. Da hatte ich viel Zeit, verschiedene Bereiche kennenzulernen.


Aktuelle Musik

Allgemein kann ich zu meinen eigenen Kompositionen nur folgende Grundsätze formulieren:

Musik muss vier Dimensionen haben: die Geistige, Emotionale, Rhythmische und Seelische. Sie muss also Verstand, Herz, Körper und Seele ansprechen. Kategorien wie U und E sind für mich nicht relevant. Sie vermischen sich zunehmend unter dem Begriff „aktuelle Musik“.

Rückblickend betrachtet ist in meinen Stücken eine gewisse Affinität zu „Bildern“ vorhanden, die mich beim Komponieren leiten – allerdings nicht im Sinne von Illustrationen, sondern eher als Assoziationen, die am Beginn einer Komposition stehen und sich dann verselbständigen.

Komponieren ist vergleichbar damit, eine Geschichte zu erfinden und zu erzählen. Dabei sind für mich überraschende Momente von Bedeutung. Wenn über all dem ein poetischer Zauber oder ein Geheimnis liegt, ist das für mich ein besonders geglückter Moment.


Meine Arbeitsweise beim Komponieren

Es ist ein sehr spannender Moment, vor einem leeren Blatt Notenpapier zu sitzen.

Nebenbei bemerkt, schreibe ich alles per Hand ohne Computerhilfe.

Ein Stück entwickelt sich aus kleinen Bausteinen. Manchmal ist da zunächst nur ein Ton oder ein Rhythmus. Manchmal gibt es mehr, nämlich einen Melodiefetzen oder eine Harmoniefolge. Die fehlenden Parameter werden dann jeweils ergänzt und weiter entwickelt. Es entsteht dann meistens erst eine horizontale Struktur (also der Ablauf einer Komposition), die dann vertikal (durch die Instrumentation) aufgefächert wird. Dann erst entsteht die eigentliche Partitur.

Bei der Entwicklung der horizontalen Struktur (eines Particells) hat man meistens schon einzelne Instrumente im Blick, die später Melodie oder Begleitfunktionen übernehmen sollen.

Im letzten Arbeitsschritt wird die Partitur dann mit Phrasierungszeichen und Dynamik versehen.

Ein für mich ganz wichtiger Punkt beim Entwickeln eines Stückes ist die immer wiederkehrende Überprüfung: Die Entwürfe müssen immer wieder von vorne neu gelesen werden. Erst wenn diese Prüfung über mehrere Tage und Wochen erfolgreich verlaufen ist, bleibt man vor unangenehmen Überraschungen bei den ersten Proben verschont. 


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